Wer wollte in den letzten Jahren Krankenhausbetten streichen?

In der aktuellen Coronakrise klingt es doch eher befremdlich, wenn man sich daran erinnert, wie stolz die Politik seit Jahrzehnten darauf war, wenn sie Kapazitäten im Gesundheitssystem abbauen konnte. In beinahe allen OECD-Ländern wurden in den letzten Jahrzehnten Spitalsbetten teils drastisch reduziert. Der neoliberale Konsens das Gesundheitssystem nach betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zu optimieren zieht sich dabei quer durch fast alle Parteien. Die Logik ist simpel: Akutbetten sind teuer und schlecht ausgelastet, also muss man sie reduzieren. Das neuartige Coronavirus macht uns nun die Hybris der Idee deutlich, so unverletzlich (fortschrittlich, etc.) zu sein, dass wir immer weniger Krankenhausbetten brauchen und daher wirtschaftlich optimieren können.

In der Nullnummer des neuen Podcast „Blöd Gefragt“ geht es darum, wie weit verbreitet diese Idee in der Politik war.

Zum Beispiel trat im Sommer 2005 Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) vor die versammelte Presse, um eine Erfolgsbilanz zu feiern: Seit 1996 wurden 5.104 Betten in Spitälern abgebaut. Waren es Mitte der 90er noch knapp 54.000 Betten, sank die Zahl bis 2005 unter 49.000. Besonders betonte Rauch-Kallat, dass das Ziel früher als geplant erreicht wurde. Ausruhen wollte sie sich auf dem Erfolg aber nicht. Damals kamen in Österreich auf 1000 Menschen 6 Akutbetten. Der EU-Durchschnitt war damals aber mit 4,7 Betten pro 1000 Menschen niedriger. Auf diesen niedrigen Wert wollte Österreich hinarbeiten. Aber Maria Rauch-Kallat und die ÖVP waren mit dieser Idee nicht allein.

Mehr dazu im Podcast. Außerdem erhältst du dort die vielleicht überraschende Antwort auf die Frage, von wem die folgende Forderung stammt:

Abbau von Versorgungskapazitäten im stationären Bereich, d.h. der Abbau von Akutbetten, die Vermeidung von unnötigen Spitalsaufenthalten und Inanspruchnahme von teuren Spitalsambulanzen müssen ein vorrangiges Ziel in der österreichischen Gesundheitspolitik sein.

Foto: Martha Dominguez de Gouveia/Unsplash

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