Coronakrise – Wie umgehen mit der Angst?

Kaum außer Haus gehen zu dürfen ist beklemmend. Unter freiem Himmel zu sein scheint für die allermeisten von uns ein grundlegendes psychologisches Bedürfnis zu sein. Aber draußen wartet ein potentiell tödliches Virus. Unser Leben wird gerade auf den Kopf gestellt. Jeden Tag hört man neu wie viele Menschen krank sind und wie viele Menschen gestorben sind. Horrorgeschichten aus China und Italien sind belastend. Aber Verdrängung ist auch keine Option. Das Coronavirus hat unser aller Leben fest im Griff. Das alles verursacht Angst. Um die geht es in dieser Folge.

Wir alle haben Strategien erlernt und entwickelt um mit Angst umzugehen. Manche davon sind gesünder, wie zum Beispiel Medidation oder Psychotherapie. Andere sind eher ungesund, zumindest wenn man es übertreibt, Alkohol, etc.

Eine der wirksamsten und einfachsten, aber zugleich schwierigsten Strategien im Umgang mit der Angst ist darüber zu reden. Es ist einfach, weil wir alle können kommunizieren. Man muss es nicht lernen, man braucht dafür keine Ausrüstung, man muss nicht an einen bestimmten Ort reisen, etc. Und doch kann es verdammt schwer sein darüber zu reden. Also ernsthaft darüber zu reden.

Aber wenn du nicht weißt mit wem du reden sollst, versuch die Nummer 142. Die heißt leider Telefonseelsorge und wird auch tatsächlich von der katholischen Kirche betrieben, weil der österreichische Staat auf das psychische Wohlbefinden der Bevölkerung scheißt. Aber du telefonierst da trotzdem mit einem geschulten Menschen und nicht mit einem Priester, der dich in die Kirche locken will. 142 ist rund um die Uhr und aus Österreich kostenlos erreichbar. Falls du nicht Telefonieren willst gibt es auch die Möglichkeit eine E-Mail zu schreiben oder zu ausgewählten Zeiten gibt es einen Live Chat. Mehr auf der Website telefonseelsorge.at

Eine Alternative ist die Helpline des Berufsverbands der Österreichischen PsychologInnen. Die ist Montag bis Freitag 9.00 – 16.00 Uhr unter 01/504 8000 erreichbar.

Aber um über Angst reden zu können muss man wissen, dass man Angst hat. Das klingt blöd, ist aber nicht so einfach. Es geht nicht nur darum die eigenen Gefühle zu erkennen. Oft ist es schwer sich einzugestehen, dass man Angst hat. Es wird mit Schwäche assoziiert, oder anderen negativen Zuschreibungen. Aber das stimmt nicht. Angst ist menschlich, Angst ist vernünftig, ohne Angst gäbe es weder dich noch mich. Die Emotion hat sich in der Evolution aus durchgesetzt weil sie erfolgreich ist.

Deshalb sage ich bewusst Umgehen mit der Angst und nicht bewältigen oder überwinden. Menschen können Angst nicht mehr überwinden und loswerden wie Lungenflügel. Sie sind überlebenswichtige Teile uns. Sich von Emotionen abzuschotten ist auf Dauer genauso ungesund wie ohne Atmen überleben zu wollen. Es kann Situationen geben, in denen es sinnvoll ist, die Luft anzuhalten, aber es kein Dauerzustand.

Und es gibt durchaus auch Angst, die zu weit geht. Gemeinhin Angststörungen genannt. Ich will das nicht belächeln. Angststörungen kann man genausowenig wegdenken wie Depressionen. Psychische Leiden und Erkrankungen sind nicht das, worüber ich hier rede. Dagegen helfen in der Regel Ärztinnen und Medikamente, nicht gut gemeinte Ratschläge und Mitleid.

Es gibt allgemeine Strategien für den Umgang mit beklemmenden und belastenden Situationen und Lebensphasen. Tipps und weitere Informationen dazu gibt der Berufsverband der österreichischen PsychologInnen.

Petition für eine bessere Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Österreich

Ressourcen

1 Kommentar zu „Coronakrise – Wie umgehen mit der Angst?“

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